Aktivgemeinschaft kann das finanzielle Risiko des Stadtfestes in der bisherigen Form nicht mehr tragen – Vor allem die Sicherheit wird immer teurer
Sinzig. Es wird die 35. Auflage des bekannten Sinziger Stadtfestes werden – doch das „Sprudelnde Sinzig“ 2026 wird deutlich anders sein als seine Vorgänger. Den Mittelpunkt des Festes wird nicht mehr der großzügige Kirchplatz bilden. Außerdem wird das Fest nur noch über zwei statt drei Tage gefeiert. Im Klartext: Alles wird kleiner, es wird kürzer – und vor allem müssen die Kosten runter. Das erklärte der Vorsitzende der Aktivgemeinschaft Sinzig, Peter Krupp, im Gespräch mit dem Rhein-Ahr Anzeiger.
Krupp: „Das ist nicht mehr bezahlbar”
Beim jüngsten Aktivtisch wurden die Eckpunkte der neuen Konzeption skizziert. Und die haben es in sich. „Wir können das finanzielle Risiko für ein so großes Fest nicht mehr eingehen”, machte Krupp die Ausgangslage deutlich. Diese wird von ständig steigenden Kosten geprägt. Das bisher übliche Programm auf der großen Kirchplatz-Bühne schlägt immer mehr ins Kontor – sowohl die Bühne mitsamt Technik als auch die Gagen der Bands am Freitag- und Samstagabend, die oftmals aus dem Bereich des angesagten Kölsch-Rock kamen. „Das ist nicht mehr bezahlbar”, stellt der AG-Vorsitzende nüchtern fest.
Zu all dem kommt, dass der Vorstand der Aktivgemeinschaft nach wie vor auf zu wenig Leute bauen kann, die rund um das Fest ehrenamtlich mit anpacken, beim Aufbau und Abbau helfen und mit dafür sorgen, dass das Festgelände vor Beginn am nächsten Tag wieder gesäubert wird. Auch die Getränkestände, die eigentlich immer als Haupteinnahmequelle für die Veranstalter des „Sprudelnden Sinzig” galten, wurden aus diesem Grund an Sinziger Vereine abgegeben. Damit sind diese Erlöse ebenfalls dahin. Und das bei einem Fest, das in höchstem Maße wetterabhängig ist.
Immer höhere Auflagen für die Sicherheit
Hinzu kommen immer höhere Auflagen für die Sicherheit solcher Feste – ein Thema, das bundesweit viele Vereine an den Rand des Machbaren führen dürfte. „Wir müssen für das Fest rund um die Uhr einen Sicherheitsdienst stellen, die Patrouillen müssen auch immer doppelt besetzt sein”, macht Krupp deutlich. Hinzu kommt die Absicherung des Festgeländes gegen eventuelle Attacken etwa durch Autofahrer, an die man früher keinen Gedanken verschwenden musste. Ein Thema, das auf dem großzügigen Kirchplatz große Probleme bereitet.
Sprudelndes Sinzig kommt auf den Marktplatz
Aus all diesen Gründen hat die Aktivgemeinschaft beschlossen, mit dem Festgelände umzuziehen. Diesmal soll der Marktplatz mit Brunnenplatz und Kaiserparkplatz zum Zentrum werden – mit einer deutlich kleineren Bühne, die die Sinziger und ihre Gäste schon vom Frühlingserwachen und dem Weinherbst kennen. Entsprechend wird auch das Musikprogramm abgespeckt, zumal das „Sprudelnde Sinzig” nur noch am Samstag und Sonntag stattfinden soll.
9000,- Euro für Sperrung
Die Frage der Absicherung des Festgeländes stellt sich aber auch dort. „Wenn wir die Sperrung für den Marktplatz anmieten, dann kostet uns das inklusive Aufbau und Abbau 9000 Euro”, rechnet Krupp vor. Bislang hat die Aktivgemeinschaft die Absperrung mit Pritschenwagen und Bullis aus den Fuhrparks der AG-Mitglieder sichergestellt. Das hat allerdings auf manche gewirkt wie eine Wagenburg. Krupp hofft deshalb in diesem Zusammenhang darauf, dass mit den Kommunen eine Lösung gefunden werden kann. „Sinzig könnte vielleicht zusammen mit Bad Breisig solche sicherheitsrelevanten Dinge anschaffen”, schlägt der AG-Vorsitzende vor. Denn: „Die Städte brauchen diese Absicherung ja auch selbst.„
Der Wunsch könnte schon bald Wirklichkeit werden, denn das Thema Straßensperren steht bereits auf der Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung. Hintergrund ist das vom Land aufgelegte Sonderförderprogramm „Gemeinsam sicher feiern in Rheinland-Pfalz“, mit dem gezielt solche Maßnahmen wie insbesondere der Kauf von mobilen Fahrzeugsperren unterstützt werden soll. Das Programm ist ausdrücklich auf interkommunale Zusammenarbeit angelegt, damit die Sperren auch wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden. Ein entsprechender Antrag für den Stadtrat sieht die gemeinsame Anschaffung solcher Sperren für die Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen, Sinzig sowie die VG Bad Breisig vor.
Für das Stadtfest „Sprudelnde Sinzig“ indes bleibt es beim Fazit des Vorsitzenden: „Es wird alles in kleinerem Rahmen stattfinden.” Der Umzug auf den Marktplatz liegt für ihn allerdings auch aus einem anderen Grunde durchaus nahe: Rund um den Marktplatz befinden sich die meisten Geschäfte und Gastronomen, die zu den Mitgliedern der AG zählen. Diese mussten in den vergangenen Jahren häufig feststellen, dass die Musik im wahren Wortsinn woanders spielt, nämlich auf dem Kirchplatz.
Wie wird es im Vorstand der Aktivgemeinschaft „Wir sind Sinzig” weitergehen?
Und wie wird es im Vorstand der Aktivgemeinschaft „Wir sind Sinzig” weitergehen? Eigentlich hatte Krupp das Amt im Juni 2022 nach dem von Unstimmigkeiten und Vorwürfen begleiteten Rückzug des gesamten Vorstands um den damaligen Vorsitzenden Reiner Friedsam nur für ein Jahr übernehmen wollen. Daraus wurden mittlerweile fast vier Jahre. Jetzt aber hofft Peter Krupp darauf, dass bald eine Jahreshauptversammlung stattfindet, auf der er sein Amt an jüngere Hände übergeben kann. „Es stehen neue Leute in den Startlöchern, um Positionen im Vorstand zu übernehmen”, sagte er dem Rhein-Ahr Anzeiger.
FWG will Zuschuss der Stadt kürzen
Für „wenig motivierend” empfindet Peter Krupp dabei eine Nachricht, die ihn dieser Tage aus der Stadtpolitik erreicht hat. Bei den Beratungen des Haupt- und Umweltausschusses zum Doppelhaushalt 2026/2027 stellte die FWG Ende Januar den Antrag, den Zuschuss an die Aktivgemeinschaft von bislang 15.000 auf 5.000 Euro zu reduzieren, wie im Sitzungsprotokoll nachzulesen ist. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, aber eine komfortable Mehrheit sieht anders aus. So stimmten nur fünf Ausschussmitglieder dafür, den Zuschuss in der bisherigen Form weiterzubezahlen. Drei stimmten dagegen – bei immerhin sechs Enthaltungen. Die Kuh ist zudem noch nicht vom Eis, denn der Stadtrat hat in dieser Frage das letzte Wort, wenn er am 26. Februar über den Doppelhaushalt entscheidet.
Sollte das Geld für die Aktivgemeinschaft dann doch noch gekürzt werden, macht Krupp deutlich: „Wenn der Zuschuss reduziert wird, dann wüsste ich nicht, wie wir unsere Feste weitermachen sollten.”
Manfred Ruch
Foto: Archiv Gottschalk


























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