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Sinziger wollen autofreien Marktplatz

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Nicht repräsentative Online-Umfrage brachte ein eindeutiges Ergebnis

Sinzig. Eine deutliche Mehrheit der Sinziger Bürgerinnen und Bürger wünscht sich offenbar eine Fußgängerzone auf dem Marktplatz. Das hat eine nicht repräsentative Online-Umfrage der Stadt ergeben, an der sich 582 Menschen beteiligt haben und die mittlerweile beendet wurde. Nach Angaben der Stadt haben sich rund 78 Prozent der Teilnehmenden für einen verkehrsfreien Bereich auf dem Marktplatz ausgesprochen, nur 20 Prozent waren dagegen. 

Die Umfrage bot die Gelegenheit, sich zu den jüngst vorgelegten Vorschlägen eines Planungsbüros im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts ISEK zu äußern. Das Büro Planwerk Häuser hatte ein solches Konzept für die Verkehrsführung in der City entwickelt und im Februar im Stadtrat vorgestellt. Außerdem haben sich die Planer mit der Neugestaltung der Bereiche vom Marktplatz bis zum Kirchplatz beschäftigt. Kern der Überlegungen: Es soll mehr verkehrsberuhigte Bereiche geben – und eventuell sogar eine Fußgängerzone in der Bachovenstraße. Die Pläne für die Bachovenstraße waren allerdings nicht Teil der aktuellen Online-Umfrage.

Marktplatz

Dort ging es vor allem um den Marktplatz. Als zentraler Aufenthaltsort mit Cafés und gastronomischen Angeboten soll er durch eine neue Verkehrsführung erheblich an Aufenthaltsqualität und Sicherheit für Fußgänger und Radverkehr gewinnen. Im Klartext: Der Markt soll Fußgängerzone werden, der nur noch für Anlieger und Lieferverkehr geöffnet, aber für den Pkw-Durchgangsverkehr gesperrt ist. Eine umfassende Begrünung durch Baumpflanzungen und Pflanzflächen sowie der Erhalt und Ausbau der Wasserelemente sollen das Mikroklima auf dem Marktplatz in heißen Sommern deutlich verbessern. Es soll zudem neue Sitzmöglichkeiten geben. „Insgesamt soll der Marktplatz stärker zum Flanieren, Spielen und Verweilen einladen“, hieß es in der Vorlage für den Ausschuss.

Familien mit Kindern

Diese Pläne gefallen den Bürgerinnen und Bürgern offenbar sehr gut. Und sie treffen vermutlich vor allem bei Familien mit kleineren Kindern einen Nerv. Wer an sonnigen Tagen an der Eisdiele am Markt vorbeikommt, der sieht, dass dies in Sachen Sicherheit ein durchaus prekärer Ort ist. Während oftmals zahlreiche Kinder rund um die Eisdiele und den Europabrunnen spielen und rennen, fahren permanent Autos vorbei – und viele davon halten die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit in der verkehrsberuhigten Zone nicht ein. 

Stadtverwaltung zufrieden mit der Bürgerbeteiligung

Sehr zufrieden zeigte sich die Stadtverwaltung mit der Beteiligung an der Umfrage mit 582 ausgefüllten Fragebögen inklusive 163 Kommentaren. Nach Angaben des Rathauses kamen die Teilnehmenden der Online-Umfrage mit 43 Prozent Anteil vorwiegend aus dem Ortsteil Sinzig, und 25 Prozent der Teilnehmenden gaben an, in der unmittelbaren Innenstadt zu wohnen.  Insgesamt habe es eine hohe Zustimmung zu den vorgestellten Entwürfen gegeben, hieß es. Es gab eine Zustimmung von 78 Prozent unter allen Rückmeldungen des Fragebogens für eine Fußgängerzone im Bereich des Marktplatzes. 20 Prozent haben sich gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen, nur 2 Prozent haben dazu keine Meinung.

Und wie geht es jetzt weiter? „Die Ergebnisse sollen noch im Rahmen einer Pressemitteilung sowie auf der Webseite der GEWI (Gesellschaft für Wiederaufbau) veröffentlicht und in den jeweiligen Ausschüssen diskutiert werden“, teilte das Rathaus dem Rhein-Ahr Anzeiger mit. Der genaue Zeitpunkt sei noch nicht klar, da die Auswertung des gesamten Beteiligungsprozesses noch nicht abgeschlossen sei. Alle Anregungen werden geprüft. Eine Bürgerversammlung indes soll es zum Thema Fußgängerzone nicht geben. „Im Rahmen des Beteiligungsprozesses wurde die Online-Befragung durchgeführt, welche allen Beteiligten in Sinzig offenstand“, teilte die Stadtverwaltung mit.

Vorstellung der Pläne

Unterdessen geht die Diskussion über eine Fußgängerzone weiter. Jüngst wurden die Pläne vor rund 40 Anwohnern und Gewerbetreibenden sowie Vertretern der kommunalen Politik vorgestellt. Dabei seien neben Zustimmung auch durchaus ernste Bedenken formuliert worden, hieß es.
Ramon Vallazza, ehemaliger Betreiber der Eisdiele, formulierte deutliche Kritik: „Eine weitere Einschränkung ohne klaren, nachweisbaren Nutzen birgt das erhebliche Risiko, die bestehende strukturelle Schwächung der Innenstadt weiter zu verstärken.“ Dies bestätigten alle Geschäftsleute, erklärte er in einem Leserbrief. Und er warnte am Beispiel von Stadtfesten vor finanziellen Folgen einer dauerhaften Fußgängerzone in der Bachovenstraße: „Jedes Mal beim Aufbau von Buden für Veranstaltungen wird die Bachovenstraße gesperrt und die Umsätze fallen praktisch auf null.“

Eine Fußgängerzone sei „in der Regel dann sinnvoll, wenn ein hohes Fußgängeraufkommen besteht und der Fahrzeugverkehr eine Gefährdung oder erhebliche Behinderung für die Fußgänger darstellt“, erklärte Vallazza. In solchen Fällen werde „der Verkehr bewusst eingeschränkt, um die Sicherheit und Aufenthaltsqualität für Fußgänger zu erhöhen“. Der ex Gastronom zweifelt daran, dass in Sinzig aktuell eine solche Problemlage bestehe. Es gebe bereits ausreichende Ruhezonen in der Innenstadt. Frühere verkehrsberuhigende Maßnahmen in Sinzig hätten überdies dazu geführt, dass sich das Bild einer belebten und durch vielfältigen Einzelhandel geprägten Innenstadt „schlagartig“ verändert habe.

Aus wirtschaftlicher und städtebaulicher Sicht solle der Fokus „weniger auf zusätzlichen Einschränkungen, sondern vielmehr auf einer aktiven Stärkung der Innenstadt liegen“, empfahl Vallazza. Hierzu gehörten unter anderem die „Entwicklung und Umsetzung eines professionellen, ganzheitlichen Marketingkonzepts durch ausgewiesene Fachleute“ sowie die gezielte Aufwertung und aktive Vermarktung vorhandener touristischer Potenziale, die bislang unzureichend genutzt würden. Außerdem empfahl der Gastronom, die Attraktivität der Innenstadt durch ausreichend Parkplätze zu erhöhen – „statt restriktiver Kontrollen bei geringfügigen Überschreitungen und leeren Parkplätzen“

Vor diesem Hintergrund stelle sich die zentrale Frage: „Ist es politisch gewollt, dass sich Sinzig perspektivisch zu einer reinen Wohn- beziehungsweise Schlafstadt entwickelt, deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben zunehmend in größere Städte wie Bonn oder Koblenz abwandert?“ Bereits heute sei eine entsprechende Tendenz erkennbar.

Manfred Ruch
Visualisierungen: Büro Planwerk Häuser

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