Dem Zauber der alten Seidenstraße erlegen
Herbststudienreise der VHS Remagen führte nach Usbekistan
REMAGEN. Ein lebendiges Museum orientalischer Kunst und Lebensart, ein buntes Gemisch aus rund 120 Völkern und Nationen, jeweils mit eigener Sprache, Kultur und Tradition, Moscheen, Mausoleen und andere Stätten an der Seidenstraße, einer alten Handelsroute zwischen China und dem Mittelmeer: all dies ist kennzeichnend für das zentralasiatische Land Usbekistan, das für die Gastfreundlichkeit seiner Bewohner sowie zahlreiche bedeutende kulturelle Sehenswürdigkeiten bekannt ist. Und hierher, wo unzählige Zeugen der Vergangenheit von einer Zeit erzählen, in der die Region nicht nur bedeutendes Handelszentrum, sondern auch Mittelpunkt von Kultur und Wissenschaft war, führte kürzlich die diesjährige Herbststudienreise der Volkshochschule Remagen. Dabei sollte es vorbeigehen an zahllosen antiken Stätten entlang der alten Seidenstraße, einst Handelsroute zwischen China und dem Mittelmeer. Einflussreiche Eroberer kamen, wirkten und regierten diese Gegend. Alexander der Große gründete mindestens acht Städte in Zentralasien, Hunnen und Osmanen führten eine neue Religion ein, den Islam.
Per Nonstopflug ging es für die Reisegruppe der VHS Remagen, einmal mehr souverän begleitet und geleitet von Wolfgang Proft und Klaus Brück, zunächst von Frankfurt in die Hauptstadt Taschkent, wo die Besucher aus der Römerstadt von einer deutsch sprechenden Reiseleitung in Empfang genommen wurden und wo auch die erste Übernachtung stattfand.
Von Taschkent nach Samarkand
Mit einer ausgedehnten Stadtbesichtigung ging es am nächsten Tag los. Dass die mehr als zwei Millionen Einwohner zählende Metropole Taschkent sowohl kultureller als auch wirtschaftlicher Mittelpunkt des heutigen Usbekistan ist, war zu erfahren. Sie ist Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt mit U‑Bahn und Flughafen sowie Kulturzentrum mit Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern, zahlreichen Museen, Observatorium und Zoo. Ein modernes Wahrzeichen von Taschkent, so erfuhren die Besucher aus Remagen, ist seit 1985 der 375 Meter hohe Fernsehturm. Über 2000 Jahre schreibt die Geschichte der Stadt mit dem antiken Namen Sash. Ferner wurde der Medresse Kukaldash und der Barak-Chan-Medresse aus dem 16. Jahrhundert ein Besuch abgestattet. Auch das „neue“ Taschkent mit dem Opernhaus, dem Platz der Unabhängigkeit und dem Platz der Erdbebenopfer wurde besucht, bevor es weiter ging nach Samarkand, wo man die folgende Nacht verbrachte.
Kultur pur in Samarkand
Ein Tag mit kulturhistorischen Höhepunkten begann für die Gäste aus Remagen am folgenden Morgen. Samarkand gilt als eine der ältesten Städte der Welt und seit 2001 steht die Innenstadt unter dem Schutz der UNESCO. Zu Recht, sollten die Besucher bald erkennen, ist doch eine Fülle faszinierender Bauten der Blütezeit der islamischen Baukunst hier erhalten geblieben. Man erfuhr auch, dass Alexander der Große die seinerzeitig hier im fruchtbaren Flusstal des Serafschans gelegene Oase eroberte und die Stadt sich unter der Herrschaft des Mongolenherrschers Timur zu einer der schönsten der Welt entwickelte. Der eigentliche Rundgang der Remagener Besucher begann am im Zentrum gelegenen Registan, dem ehemaligen Handwerker- und Handelszentrum mit Karawansereien, Basaren und Koranschulen, dem wohl berühmtesten Platz des Orients. Tief beeindruckt zeigten sich die Gäste von diesem Areal; der Medresse (zu deutsch: Bildungseinrichtung) Ulugbek mit ihren kostbaren Fayancen von ausgesuchter Schönheit, der Medresse Schir-Dor aus dem 17. Jahrhundert und der Tella-Kari, der „Goldgeschmückten“. Auch die Bibi-Hanim-Moschee, das einzige islamische Gotteshaus der Welt, das nach einer Frau benannt ist, wurde besucht, bevor es für die Teilnehmer Gelegenheit gab, sich bei einem Bummel auf dem riesigen Basar ein wenig zu entspannen. Es folgte nach einer Weile die Besichtigung des Shahi-Sinda mit vielen prachtvollen Grabmälern, die hier die „Pforte des Himmels“ bilden. Weiter ging es zum Observatorium des Herrschers Ulugh-Bek, dessen besonderes Interesse schon vor über 500 Jahren der Astronomie galt, wobei die sternenklaren Nächte der zentralasiatischen Wüste zur Himmelsbeobachtung schon damals besondert geeignet schienen. Überaus beeindruckt zeigten sich die Besucher aus Remagen beim Anblick des riesigen Sextanten und weiterer Relikte aus dem 15. Jahrhundert, die seinerzeit als Messinstrumente dienten. Staunende Blicke und anerkennendes Kopfnicken nur wenig später, als eine mit orientalischer Musik untermalte Modenschau bei der berühmten Modedesignerin Valentina Romanenko besucht wurde, die mit unbeschreiblich edlen Stoffen in schillernden Farben und Mustern Usbekistans ganzen Traum von tausendundeiner Nacht präsentierte. Über die usbekische Raupe war hier zu erfahren, dass sie im paradiesisch-fruchtbaren Ferganatal im äußersten Osten des Landes beheimatet ist und dafür sorgt, dass Frau Romanenko zu ihren wundervollen Stoffen kommt. In den Maulbeerbäumen der Raupenzüchter sitzen die kleinen unscheinbaren Tierchen und spinnen die kostbare Seide, die Zentralasien zu Ruhm und zum Namen der weltberühmten Seidenstraße führte. Einen gelungenen Abschluss fand dieser mit Impressionen vollgepackte Tag in einem Privathaus, in dem eine tadschikische Familie den Gästen vom Rhein ein traditionelles Plov-Essen (Reistopf mit Lammfleisch und Möhren) kreierte.
Von Samarkand nach Buchara
Bevor am nächsten Tag die Überlandfahrt per Bus ins 300 Kilometer entfernte Buchara angetreten wurde, besuchten die Teilnehmer dieser interessanten VHS-Studienreise noch das prächtige, palastähnlich errichtete Mausoleum Gur-Emir des despotischen Mongolenherrschers Timur, der im 14. Jahrhundert seinen Herrschaftsbereich vom Ganges bis zum Mittelmeer ausdehnte. Samarkand war das Zentrum dieses Weltreiches, die Residenzstadt Timur Lenks, Timur des Lahmen. In Feldzügen bis nach Europa und Indien, so erfuhren die staunenden Gäste, ließ Timur und seine Horde Städte zerstören, die Bevölkerung massakrieren. Die besten Handwerker und Künstler jedoch verschleppte er nach Samarkand. Sie schufen eben jene atemberaubende Architektur, die Samarkands Ruf als „schönste Stadt der Welt” begründete.
In der ebenfalls sehr alten und traditionsreichen Stadt Buchara angelangt, bezogen die Reiseteilnehmer zunächst ihr neues Hotel und entspannten ein Weilchen, bevor es am Nachmittag losging mit dem Besichtigungsprogramm.
Der Lyabi-Hauz-Komplex, ein architektonisches Ensemble mit Medresse und Chanaka Nodir Divan Beghi und Medresse Kukeldasch war das erste Ziel. Ein 36 x 46 Meter messendes Wasserreservoir bildet die Mitte des Platzes. Der Legende zufolge, so war hier zu erfahren, konnte ein Baumeister namens Nodir Divan-begi das Grundstück für die dort geplanten Gebäude nicht kaufen, weil eine alleinstehende Frau ihr Haus dort hatte. Darum befahl der allmächtige Wesir, unter dem Haus der Frau einen Kanal anzulegen, der die Grundmauern dieses Hauses unterspülte und die arme Frau ihr Grundstück schließlich verkaufen musste. Bis heute ist der im 17. Jahrhundert um die Wasserstelle erbaute Platz ein wichtiger Treffpunkt für die Bewohner. Hier sitzen die Älteren im Schatten der Maulbeerbäume, spielen Schach oder tauschen Neuigkeiten bei einer Tasse Tee aus. Zum Abschluss dieses Tages bummelten die Besucher aus Remagen noch ein wenig durch die mittelalterlich anmutenden, von Lehmmauern umsäumten Straßen der Altstadt von Buchara.
Eine Zitadelle, Medressen und Moscheen
Der so genannte „Ark“ war am nächsten Tag das erste Ziel im Nordwesten des historischen Stadtzentrums. Hierbei handelt es sich um eine geschichtsträchtige Zitadelle, die sich über eine Fläche von rund vier Hektar erstreckt und von massiven Festungsmauern umgeben ist. Weshalb der Großteil des Geländes in Trümmern liege, wollte VHS-Geschäftsführer Wolfgang Proft wissen und erfuhr, dass die überwiegend aus Holz bestehenden Bauten im Innenbereich des Komplexes bei der Eroberung Bucharas durch die sowjetische Rote Armee im Jahr 1920 größtenteils den Flammen zum Opfer fielen. Ein kleines Museum im Innern der Zitadelle und die unmittelbar vor den mächtigen Mauern gelegene Moschee Bala-Chaus waren die nächsten Ziele der Teilnehmer dieser Studienreise.

Weiter ging es zur Moschee Magokki-Attori und den Marktkuppelbauten aus dem 16. Jahrhundert: Taki-Sarafan, Taki Telpak Foruschan, Tim Abdulla Khan und Abdulasis Medresse, Ulugh-Begh Medresse, Taki-Zargaron. Zu Zeiten der Seidenstraße gab es hier fünf große von Kuppeln überdachte Basare, heute existieren noch drei davon. Damals waren die Basare alle durch lange Bogengänge miteinander verbunden. Die Kuppelbauten sind bis heute bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt und stellen ein

Wahrzeichen der Stadt dar. Für Begeisterung sorgte bei den Besuchern aus Remagen die einzigartige Atmosphäre in der alten Karawanenstadt. Sie konnten das reiche Erbe von Buchara hautnah erleben und hatten die Qual der Wahl zwischen den farbenfrohen usbekischen Souvenirs. Als ebenfalls überaus beeindruckend empfand man das 46 Meter hohe Kalon-Minarett, das schon im 12. Jahrhundert den Pilgern den Weg zur heiligen Stadt des Islam wies. Der sich nach oben verjüngende Turm mit einem Basisdurchmesser von mehr als 10 Metern verbreitert sich am oberen Ende zu einer Rotunde, die stalaktitenartig verziert ist und eine umlaufende Galerie mit 16 Spitzbogenfenstern enthält. Oberhalb der Rotunde sitzt eine kegelförmige Spitze. Mit großem Interesse wurde vernommen, dass der Turm neben seiner Funktion als Minarett, von dem aus erst ein Muezzin, später auch mehrere, die Muslime zum Gebet rief, noch andere Aufgaben erfüllte. So war er einerseits Wachtturm und andererseits ein weithin sichtbares Zeichen, das den Karawanen den Weg in die Stadt zeigte. Bis in das frühe 20. Jahrhundert diente er auch als Richtstätte, von dem aus zum Tode Verurteilte in einem Sack eingeschnürt herabgeworfen wurden.

Weiter ging es für die Teilnehmer mit dem Besuch der Moschee Kalan und der Medresse Mir-e-Arab, in der seit rund 400 Jahren Schüler des Korans unterrichtet werden. Der über der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Pforte stehende Spruch lautet übersetzt: „Streben nach Wissen – das ist die Pflicht aller Muslime, eines jeden Mannes und einer jeden Frau.“ Zum Abschluss des Tages erfolgten noch Besichtigungen des Samaniden-Mausoleums und Tschaschma Ayub, bevor das Abendessen bei einer Gastfamilie eingenommen wurde.
Durch die Wüste nach Chiwa und wieder Taschkent
Von Buchara aus erfolgte am nächsten Morgen wieder eine längere Busreise. Entlang des Amu Daria, dem Oxus der Griechen, ging die Fahrt durch die Wüste Kizil Kum, übersetzt „Roter Sand“. Während der Fahrt konnten die Teilnehmer sich von einem der größten Wüstengebiete Zentralasiens verzaubern lassen. Verkürzt wurde diese Fahrt durch Berichte und Informationen über Usbekistan, seine Völkervielfalt, die Sitten und Brauchtümer, aber auch über Industrie und Zukunftsaussichten der Region. Nach 430 Kilometern erreichte die Besuchergruppe aus Remagen die Oasenstadt Chiwa, die geschichtlich gesehen untrennbar verbunden ist mit Sklavenkarawanen, barbarischen Grausamkeiten und endlosen Reisen durch Wüsten und Steppen, die von „wilden Gesellen“ unsicher gemacht wurden.
Nach der Übernachtung in Chiwa wurde am nächsten Morgen die Altstadt „Itschan Kala“ besucht, die mit ihren Lehmstraßen und Innenhöfen noch nicht einmal einen Quadratkilometer groß ist. Dennoch beherbergt dieses komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Areal mehr als 16 Medressen und rund 50 Baudenkmäler, umgeben von der 2.200 Meter langen Stadtmauer. Zu Recht trägt es den Beinamen „Florenz des Ostens“, wobei fast 1500 Jahre orientalischer Kultur, teils märchenhaft versteckt in den verwinkelten Gassen, den einstigen Glanz und die Legenden dieser Stadt spüren lassen. Das Minarett Kaltar Minor, eines der extravagantesten der Stadt und über und über bedeckt mit blauen Türkisen stieß dabei auf besonders großes Interesse. Natürlich wurde auch „Kunya Ark“ besucht, was so viel wie „alte Zitadelle“ bedeutet und eine kleine eigene Stadt in der Stadt zu sein scheint.
Nach dem Besuch einer Familie mitsamt Brotbackkurs in einem traditionellen Lehmbackofen ging es zum Flughafen im rund 40 Kilometer entfernten Urganch, von wo aus ein Flieger die Reisegruppe der Remagener VHS nach Taschkent brachte, dem Ausgangs- und Endpunkt dieser interessanten Studienreise. Ein letztes gemeinsames Abendessen in der über zwei Millionen Einwohner zählenden usbekischen Hauptstadt und schon ging es erneut zum Flughafen, von wo aus zu früher Stunde der Rückflug nach Deutschland angetreten wurde.
Pressemeldung VHS Remagen
Fotos: privat
























