Präsentation der Vorschläge warf viele Fragen auf
Sitzung des Sinziger Ausschuss für Stadtentwicklung zum Top-Thema Fußgängerzone mit 2,5 Stunden Länge zeigt Interesse und Gesprächsbedarf.
Eine verkehrsberuhigte Zone auf dem Marktplatz? Vielleicht sogar eine Fußgängerzone in der Bachovenstraße? Die Pläne, die das Büro Planwerk Häuser aus Boppard im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts ISEK präsentierten, haben es in sich. Gleich zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung stellte Bürgermeister Andreas Geron allerdings fest: „Es ist noch nichts beschlossen.“
Die vorgelegten Entwürfe sind das Ergebnis der Workshops, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden und bis ins Jahr 2018 zurückgehen. Hier hatten die Bürger in verschiedenen Arbeitsgruppen ihre Wünsche zur Stadtentwicklung geäußert. Die daraus von Planwerk Häuser entwickelten Vorschläge (der Rhein-Ahr Anzeiger berichtete bereits ausführlich im Vorfeld zur Sitzung: https://rhein-ahr-anzeiger.de/bekommt-sinzig-eine-fussgaengerzone/) warfen doch einige Fragen auf. Dabei ging es auch in die Details. Besonders die Verkehrsführung sorgte für Diskussionsstoff.
Kritische Punkte waren die Umkehrung der Fahrtrichtung Einbahnstraße Schlossstraße, oder die Straßenführung Koblenzer Straße – Münzgasse. Auch die Verkehrsführung Mühlenbachstraße über die Kaiserstraße und dann in die Ausdorferstraße wurde diskutiert. Um die Markt-Apotheke besser frequentieren zu können, ist auch die Variante, die Einbahnregelung Koblenzer Straße umzukehren und den Verkehr über die Gasse zwischen Apotheke und Brunnenplatz auf die Ausdorferstraße zu führen, machbar.
Drei Zonen
Das Projekt Fußgängerzone Sinzig kann man in drei große Zonen unterteilen. Den Bereich Markt mit Brunnenplatz, die Bachovenstraße und den Bereich Kirchplatz. Für jede der drei Zonen sind verschiedene Variationen möglich.
Katharina Häuser vom Planungsbüro Häuser, die den verkehrstechnischen Teil der Präsentation moderierte, machte deutlich, dass es zu keinen großen baulichen Veränderungen kommen würde und dass die jetzigen Fahrbahnen bestehen blieben. Einsatz- und Lieferfahrzeuge oder Müllabfuhr müssen den Bereich befahren. Auch für Anwohner soll der Bereich zu jeder Zeit frei befahrbar sein, die Zufahrt würde durch versenkbare Poller abgesperrt. Anwohner erhalten dann eine Checkkarte. Die Sperrungen beziehen sich ausschließlich auf den Durchgangsverkehr. Auch ist eine zeitliche Begrenzung der Sperrung von z.B. 11 bis 18 Uhr wie in anderen Fußgängerzonen möglich.
Die Gestaltung der Fußgängerzone reduziert sich auf Bepflanzung, Dekoration und Stadtmobiliar und muss rückbaubar sein, um spätere Änderungen flexibel handhaben zu können. Dazu kommt, dass der Etat von 750.000 Euro nicht ausreicht, um umfangreichere bauliche Maßnahmen umzusetzen. 70 Prozent der Gesamtkosten werden aus Fördermitteln des ISEK gedeckt.
Die Gestaltung
Der Part der Gestaltung wurde von Helena Häuser präsentiert. Der Markt mit Brunnenplatz erweist sich als die am schnellsten umsetzbare Lösung, da hier die Bachovenstraße für den Verkehr frei bleibt. Die Zufahrt erfolgt dann über die Schlossstraße. Hier ließen sich mit einfachen Mitteln viele Verbesserungen einrichten. Eine Idee wäre, das Geländer auf den Basalteinfassungen zu entfernen und dafür Sitzbänke einzubauen sowie eine Begrünung durch Bäume und Beete zu pflanzen. Eine weitere Möglichkeit für den Markt wäre es, einen Wasserlauf vom Europabrunnen bis zur Touristinfo zu führen.
Im gesamten Gebiet der Fußgängerzone ist eine Begrünung durch Bäume oder Beete vorgesehen, um das Mikroklima zu verbessern.
Bei der Variation mit der Bachovenstraße als Fußgängerzone ist die Schlossstraße verkehrstechnisch problematisch, da im Bereich Markt / Bachovenstraße kein Wendehammer eingerichtet werden kann. Zudem ist die Schlossstraße baulich nicht für gegenläufigen Verkehr geeignet.
Die größte Herausforderung stellt der Kirchplatz dar. Hier gilt die Denkmalschutzzone, Kirche, Rathaus, ja sogar das Trafohäuschen zwischen Haus Bares und Parkplatz stehen in der Schutzzone. Wird auf dem Kirchplatz etwas geändert, muss die Landesdenkmalbehörde GDKE zustimmen. Das gilt selbst für kleinste Änderungen.
Ein Beispiel: In den kommenden Jahren werden die Bäume auf dem Kirchplatz ihre Lebenszeit beendet haben und ersetzt werden müssen. Hier ist die Zustimmung der GDKE notwendig. Auch die präsentierten Wasserspiele und die Bepflanzung müssen mit der GDKE abgestimmt werden. Dazu bemerkte Andres Geron, dass das Projekt Kirchplatz viele Jahre bis zur Fertigstellung beanspruchen könne.
Parken
Die Parksituation wurde von den Planern ausgiebig geprüft. Der Parkraum ist schon jetzt ausgelastet, daher seien weitere Maßnahmen zur Parkraumbeschaffung notwendig. Ideen dazu sind ein mehrstöckiges Parkdeck auf der Jahnwiese oder auf dem Parkplatz Harbachstraße. Bei letzterem gilt Denkmalschutz aufgrund der Stadtmauer, eine zweite Ebene ist somit nicht umsetzbar. Zudem würde in Sinzig ein Parkleitsystem fehlen, das Besucher auf die Parkmöglichkeiten hinweist, so die Planer.
Stimmen aus der Politik
In den Fraktionen wurden die Vorschläge grundsätzlich begrüßt, viele Punkte hatten allerdings Erklärungsbedarf. Hier einige Reaktionen:
CDU-Chef Franz-Herman Deres stellte die Frage, wie viel Fußgängerzone Sinzig brauche, und wie groß das Risiko wäre, dass die Innenstadt ausstirbt. Das ließe sich vorher nie bestimmen, so die Planer, das entscheiden die Sinziger selbst.
Roland Janik von der FWG begrüßt die Lösung mit den Parkdecks: „Je höher, umso besser”. Sinzig sei „kein Drive-In Laden”, ergänzte er.
Oliver Andres (GRÜNE) sieht in der Fußgängerzone „eine große Chance für Sinzig, je weniger Autos in der Innenstadt, umso besser die Wohnqualität”.
Für Richard Figura (SPD) ist der Parkraum wichtig: „Wir kriegen nur Menschen in die Stadt, wenn wir rundherum Parkraum schaffen”.
Aus mehreren Fraktionen kam der Vorschlag, sich mit den Gewerbetreibenden zusammenzusetzen und verschiedene Ausführungen zu besprechen. Auch die Idee, die Bürgerbeteiligung nicht nur via Internet durchzuführen, sondern gezielt auf die Bürger zuzugehen – etwa mit einem Infostand -, stieß auf Zustimmung.
Auf Antrag von Franz-Herman Deres wurde der Beschluss um den Punkt erweitert, die Aktivgemeinschaft bei weiterem Vorgehen mit einzubeziehen.
Das Ergebnis
Der Beschlussvorschlag: „Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Kultur, Sport und Soziales nimmt die Entwürfe zum Verkehrskonzept sowie die Entwürfe für den Kirchplatz und den Marktplatz zur Kenntnis und beschließt die Durchführung einer Online-Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger auf Grundlage der vorliegenden Entwürfe“. Er wurde einstimmig beschlossen.
Peter Krupp, Vorsitzender der Aktivgemeinschaft, ist froh, dass die Aktivgemeinschaft mit im Boot ist. Wann die Bürgerbefragung startet, ist noch offen und wann man an lauen Sommerabenden im autofreien Bereich das gastronomische Angebot unter freiem Himmel genießen kann, ist noch nicht absehbar.
Achim Gottschalk
Grafiken: Planwerk Häuser aus Boppard



























www.paypal.com