Ein Kommentar von Manfred Ruch
Es ist Zeit für einen Neustart beim Stadtfest
Das Stadtfest „Sprudelndes Sinzig” wird sein Gesicht deutlich verändern. Das große Spektakel, das die federführende Sinziger Aktivgemeinschaft seit mehr als drei Jahrzehnten mit großem Engagement in der Innenstadt organisiert hat, ist offenbar an seine Grenzen gekommen. Wachsende Aufwendungen für die Sicherheit, immer teurere Gagen, immer weniger Helferinnen und Helfer und damit einhergehend wegfallende Einnahmen durch den Getränkeverkauf machen die Organisation dieses stark wetterabhängigen Festes finanztechnisch zu einem unkalkulierbaren Risiko für den Verein der Sinziger Gewerbetreibenden. Deswegen wird das Stadtfest 2026 kürzer und kleiner ausfallen, und es wird auf den Marktplatz als Schwerpunkt umziehen – mit kleinerer Bühne und preiswerterem Programm. Künftig wird man sich vermutlich stark an das Frühlingserwachen und den Sinziger Weinherbst erinnert fühlen, die beide in einem ähnlichen Format an gleicher Stelle stattfinden.
Es war einmal
Mit einiger Wehmut werden die Sinzigerinnen und Sinziger an vergangene Feste denken, die stets Tausende Gäste in die Innenstadt gelockt haben. An höchst unterhaltsame Konzertabende und viel kölsche Tön auf der Kirchplatz-Tribüne, an eine mit Ständen von Vereinen, Einzelhändlern und fahrenden Verkäufern vollgepackte Meile bis zum Marktplatz, wo einst auch eine zweite Bühne stand, an sportlich ambitionierte Radrennen durch die Innenstadt oder an die legendäre Kooperation mit dem Südwestfunk im Jahre 1995 beim großen Spielspektakel „Spass auf der Gass”, wo als Höhepunkt die berühmte Soulband „Hot Chocolate” vor Tausenden Besuchern auf dem Kirchplatz auftrat.
Profi Radrennen 2008 der Film
Für all das, was in diesen Jahrzehnten von der Aktivgemeinschaft geleistet wurde, kann man nur den Hut ziehen. Denn sie hat nichts weniger getan, als aus einem eigentlich als Verkaufsförderung für die Gewerbetreibenden gedachten Event ein echtes Stadtfest zu machen. Mit vielen eigenen Kräften, durchaus mit Unterstützung aus dem Rathaus und vom Bauhof und ja: auch mit finanzieller Unterstützung der Stadtkasse. Deswegen ist es schwer zu verstehen, dass die Höhe der städtischen Mittel für die Aktivgemeinschaft – es geht um 15.000 Euro – jüngst Thema eines Sparvorschlags geworden ist. Dabei müsste eher das Gegenteil der Fall sein. Hinzu kommt, dass das engagierte Organisationsteam schon lange nahe an der Belastungsgrenze arbeitet. (Wir berichteten: https://rhein-ahr-anzeiger.de/sprudelndes-sinzig-kleiner-kuerzer-kosten-runter/)
Mobile Fahrzeugsperren für Feste werden angeschafft
Eine erste Erleichterung für die Aktivgemeinschaft ist jetzt in Sicht, nachdem der Stadtrat einstimmig beschlossen hat, zusammen mit anderen Kommunen im Kreis mobile Fahrzeugsperren anzuschaffen. Doch eigentlich ist der Moment gekommen, um sich endlich ehrlich zu machen.
Die Stadt als Veranstalter
Wieso genau organisiert die Sinziger Werbegemeinschaft überhaupt das große Innenstadt-Fest, das allenthalben als DAS Sinziger Stadtfest „verkauft” wird? Was haben die Einzelhändler mit einem attraktiven Konzertprogramm an einem Freitag- oder Samstagabend zu tun, wenn die Geschäfte geschlossen sind? Oder mit der Suche nach städtischen Vereinen, die sich im Rahmen dieses Festes präsentieren wollen? Wieso hält nicht die Stadt diese Fäden in der Hand, so wie das in anderen Kommunen selbstverständlich ist – wie etwa beim Remagener Lebenskunstmarkt.
750-Jahr-Feier
Eine hervorragende Blaupause dafür bietet ein Blick zurück auf das Sinziger Jubiläumsjahr 2017, als 750 Jahre Stadtrechte gebührend gefeiert wurden. Da gab es zuvor einen Festausschuss, geleitet von der damals für Stadtmarketing zuständigen Mitarbeiterin, mit den amtierenden Ortsvorstehern, mit Vertretern von Vereinen, die stellvertretend für das große Ganze standen – das Bürgerforum Sinzig als Kontaktstelle zur Vereinswelt, die Närrischen Buben für den geplanten Festumzug – sowie die Aktivgemeinschaft für die Gewerbetreibenden in der Stadt. Heraus kam ein großartiges Stadtfest, weil alle aktiv eingebunden waren. Und das hatte vier wesentliche Gründe: die verantwortliche Federführung durch das Rathaus, eine funktionierende Kommunikation untereinander, eine sinnvolle und faire Arbeitsteilung und letztlich die finanzielle Absicherung des Festes durch die Stadt. (Siehe auch: https://rhein-ahr-anzeiger.de/750-jahre-stadtrechte-sinzig-die-filme/)
Sprudelndes Sinzig neu gedacht
Natürlich kann man so ein teures und opulentes Jubiläumsfest mit Festumzug nicht jedes Jahr stemmen. Aber die Grundprinzipien von 2017 stimmen auch für ein „Sprudelndes Sinzig” im Normaljahr: Die Stadt behielte die Führung und Gesamtorganisation und sicherte das finanzielle Risiko ab, die Vereine, die Stadtteile und die Aktivgemeinschaft konzentrierten sich auf ihre Rolle und ihren wichtigen Anteil zum Gelingen des gemeinsamen Festes – helfende Hände für die notwendigen Dienste wie Auf- und Abbau oder Getränkestände inklusive. Und das alles würde in einem entsprechenden Festausschuss frühzeitig zusammengetragen, offen besprochen und protokolliert.
So wird ein Schuh draus. Und das „Sprudelnde Sinzig” auf dem Marktplatz könnte auf diese Weise eine einmalige Sache werden. Oder besser gesagt: Es könnte zwischen einer kleinen Bühne auf dem Marktplatz und der großen Bühne auf dem Kirchplatz vielleicht doch wieder eine lebendige Festmeile entstehen, die man aus früheren Zeiten kennt und die wieder Tausende Gäste in die Stadt lockt.
Manfred Ruch
Fotos / Film Archiv Gottschalk



























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