Erschwingliche Mieten statt exklusiver Wohnträume
Alternativvorschlag zum Hotel und Wohnbebauung an den Brückentürmen in Remagen wurde vorgestellt
Remagen. Die vom Stadtrat beschlossenen Pläne für den Bau von gehobenen Wohnungen und einem Hotel unweit der Brückentürme in Remagen finden keine ungeteilte Zustimmung in der Stadtpolitik. Die beiden Stadtratsmitglieder Rolf Plewa (SPD) und Antonio Lopez (Grünen) gehören zu den Kritikern. Sie favorisieren stattdessen ein Alternativkonzept für sozial geförderten Wohnungsbau, das ein Frankfurter Investor vorgelegt hat, mit dem sich der Stadtrat aber mit Hinweis auf die Rechtslage nicht mehr beschäftigen will. Dabei wollten es Plewa und Lopez nicht belassen – und luden jetzt zu einer Infoveranstaltung in die Kulturwerkstatt ein, um den Alternativvorschlag der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Rund 60 Remagener Bürger waren der Einladung gefolgt. „Grund dieser Sitzung ist, dass es bei der Stadtratssitzung einige Punkte gab, mit denen wir beide und einige Andere nicht einverstanden sind“, erklärte Plewa bei der Eröffnung der Infoveranstaltung. „Wir wollen deshalb ein Alternativprojekt vorstellen“. Dabei machten die beiden Ratsmitglieder zunächst deutlich, dass sie nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung an den Brückentürmen sind, sondern gegen die Planung, die in der Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses vom 19. August 2025 vorgestellt und in der Stadtratssitzung vom 22. September 2025 beschlossen wurde. Sie monieren zudem, dass besagtes Alternativprojekt nicht zur Abstimmung zugelassen wurde. Der Stadtrat berufe sich auf eine Absichtserklärung aus dem Jahr 2021, und das, obwohl sich die Planung zwischenzeitlich geändert habe und es Neuwahlen des Stadtrats gab.
Ratsmitglieder zweifeln Verbindlichkeit der Absichtserklärung an
Bei dem in der Stadtratssitzung im September 2025 beschlossenen Objekt handelt es sich laut Niederschrift der Sitzung um ein „Mittelklasse-Hotel, das familienfreundliche Preise anbietet. Um die notwendige Rentabilität zu erreichen sind 120 Zimmer auf fünf Etagen über dem Empfang vorgesehen, wodurch das Hotel die Brückentürme nach aktueller Planung überragen würde. Bezüglich der Wohnungen soll ein Mix aus Eigentum und Miete entstehen, die sich aufgrund der exklusiven Lage direkt am Rhein eher im höherpreisigen Segment wiederfinden werde.“ Und weiter: „Vor Eintritt in die Diskussion macht der Vorsitzende deutlich, dass der Stadtrat heute keine Entscheidung über den architektonischen Entwurf der Planung treffen werde.“ […] „Bürgermeister Björn Ingendahl führt aus, dass die Verbindlichkeit der Absichtserklärung juristisch geprüft und bestätigt wurde. …“
Bereits in der Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses im August 2025 und in der Stadtratssitzung im September 2025 bezweifelte Plewa die Verbindlichkeit der Absichtserklärung aus dem Jahr 2021. Dazu bemerkte der Vorsitzende Björn Ingendahl, dass er in den vier Jahren permanent in Kontakt mit dem Projektierer gestanden und darüber mehrfach in Sitzungen berichtet habe. In der Stadtratssitzung im September wurde dennoch der Antrag gestellt, die Absichtserklärung für nichtig zu erklären. Er wurde aber mit 15 Gegenstimmen, acht Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Kaufpreis für das im Besitz der Stadt und dem Friedensmuseum befindliche „Filetstück“. Für rund 24.000 Quadratmeter in bester Rheinlage wird ein Preis von 2,1 Millionen Euro aufgerufen. Dazu Antonio Lopez: „Der Grundstückpreis ist so niedrig. Wenn man am Rhein so ein Grundstück kauft, liegen die Werte bei 6 bis 10 Millionen Euro. Man subventioniert Millionärswohnungen auf kommunalem Boden, das ist für mich als Grüner nicht tragbar.“ Nach Ansicht der beiden Ratsmitglieder sind die 2,1 Millionen Euro ein fünf Jahre alter „Schleuderpreis“, der in Anbetracht des Schuldenstands der Stadt und der zu erwartenden Gewinnspanne des Investors nicht vertretbar wäre.
Projekt Wohnvoll
Stattdessen setzen Plewa und Lopez auf ein Konzept des Frankfurter Unternehmens Wohnvoll. Der 2021 gegründete Projektentwickler hat sich auf den Bau und den Betrieb von Seniorenwohnstätten spezialisiert. In sieben Bundesländern hat der Investor 19 ähnliche Einrichtungen in Planung, und vier Projekte laufen bereits. Zielgruppe sind die Generation 65+. „Wir brauchen aktive Bewohner,“ erklärte Geschäftsführer Markus Rübenkamp das Konzept. „Restaurant, Café, Küche: All das ist vorhanden.“ Die Anlage soll etwa 200 Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen mit je rund 55 Quadratmetern, aber auch größere Einheiten für Wohngemeinschaften bieten. Insgesamt sind auf fünf Etagen rund 15.000 Quadratmeter Wohnfläche geplant. Dazu kommt ein Seniorenhotel mit fünf Geschossen und insgesamt 100 Zimmern. Das Hotel soll die Höhe der Brückentürme nicht übersteigen, ist aber für das Projekt nicht zwingend notwendig.
Auf seiner Webseite wirbt Wohnvoll mit „barrierefreien Wohnungen, modernen Apartments an gut angebundenen Standorten, vielfältigen Services, maßgeschneiderter Unterstützung für alle Lebenslagen und einer lebhaften Gemeinschaft mit vielen Möglichkeiten“. Der Mietpreis für den sozial geförderten Wohnraum soll auf acht bis zehn Euro/m² auf 30 Jahre zuzüglich eines jährlichen Aufschlags gedeckelt werden.
Um an eine Wohnung zu kommen, benötigen die Mieter einen Wohnberechtigungsschein. Somit wären die Wohnungen im Gegensatz zur Vorstellung des bisherigen Investors nicht im hochpreisigen Segment angesiedelt, sondern sozial verträglich. Das passt in den aktuellen Trend der Boomer-Generation, die jetzt in das Zeitalter der knappen Renten rutscht.
Weitere Features in der Anlage sind ein eigener Fuhrpark, Carsharing, Außenanlagen mit Boulebahn, Einrichtungen für Sport und Freizeit. „Yoga, Malkurs oder Ausflüge: Was auch immer Ihnen Freude macht, wir haben eine große Auswahl an Aktivitäten direkt im Wohnvoll Village“, heißt es auf der Webseite.
Link zur Webseite Wohnvoll: https://wohnvoll.com/
3D-Ansichten zu dem Bauvorhaben gibt es allerdings noch nicht, nur Grundskizzen wie oben abgebildet. Die verbindliche Planung und der Entwurf wird durch externe Architekten umgesetzt.
Die Zufahrt soll von der Rampe an der Rheinhalle ausgelegt werden. Dazu müssen zumindest Teile des bereits eingebrochenen Flutbogens der Brücke abgerissen werden. Die genaue Planung dazu ist ebenfalls noch offen.
Weitere Schritte
Beide Projekte müssen sich an die gesetzlichen Auflagen für den Denkmalschutz der Brückentürme halten. Dazu kommt vor Baubeginn die Sondierung des Geländes durch den Kampfmittelräumdienst und die Gefahr, dass eventuell Altlasten aus der ehemaligen Türenproduktion im Boden schlummern könnten.
Für das Alternativprojekt gilt es jetzt verschiedene Hürden zu nehmen. Zunächst müsste die Förderbehörde für sozialen Wohnungsbau die Zuschüsse zum Bau bewilligen. Dann müsste das Projekt noch vom Stadtrat beschlossen werden – was sich bedingt durch die oben erwähnte, inzwischen fünf Jahre alte Absichtserklärung schwierig gestalten könnte.
Doch Rolf Plewa gibt nicht auf: „Wir werden uns bemühen, das Thema nochmal in den Stadtrat zu bringen.“
Achim Gottschalk


























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